Nicht nur Hünstetter Ortsfeuerwehren bemühen sich intensiv um Nachwuchs, wir auch

Artikel im WiesbadenerTagblatt Von Beke Heeren-Pradt

HÜNSTETTEN – „Wasser marsch!“ – dieses Kommando kennt jeder und bringt es auch stets mit der Institution Feuerwehr in Zusammenhang. Was muss denn eigentlich alles in welcher Reihenfolge und nach welchem Plan vorbereitet, gecheckt, getan werden, ehe im Falle eines Brandes schließlich das besagte Kommando ausgerufen werden kann?

Was für den nicht unterrichteten Laien so aussieht, als müssten die Feuerwehrleute einfach mal eben ein paar Schläuche ausrollen, damit ein Brand gelöscht werden kann, ist ein komplexes System von zahlreichen Abläufen, die über Jahre hinweg trainiert und eingeübt werden müssen. Hinzu kommen immer wieder neue Herausforderungen, denen sich die Verantwortlichen in den Wehren stellen müssen: neue Baumaterialien, erneuerte Sicherheitsvorkehrungen, technische Verbesserungen an Werkzeugen und Ausrüstung.

Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren, die ehrenamtlich, neben dem eigenen Beruf, Dienst tun für die Sicherheit der Allgemeinheit, sind da besonders gefordert. Wöchentliche Übungen, Lehrgänge zur Weiterbildung und schließlich die Einsätze fordern eine Menge Engagement, das möglichst schon in der Jugend eingeübt werden soll. Daher hat fast jede Freiwillige Feuerwehr eine Jugend-, einige sogar eine Kinderfeuerwehr. Auch in Hünstetten ist das so. In den neun Feuerwehren der Gemeinde gibt es derzeit acht Jugendfeuerwehren und vier Kinderwehren.

„Die Situation der Jugendfeuerwehren war schon mal besser“, gibt sich Gemeindejugendfeuerwehrwart Daniel Minör aus Bechtheim nachdenklich. Es ist die Konkurrenz anderer Freizeitangebote in Vereinen ringsum und längere Schulzeiten pro Tag, die es den Feuerwehren schwer machen, Nachwuchs für ihre Jugendabteilungen zu finden. „Deshalb haben wir Kinderfeuerwehrgruppen gegründet, um den Nachwuchs schon frühzeitig für die Feuerwehrarbeit zu interessieren“, sagt der Jugendwart, der diese Position seit März dieses Jahres innehat.

Spielerisches Anleiten

Georg Bücher, Jugendwart der Feuerwehr Görsroth-Kesselbach pflichtet Minör bei. Mit derzeit 14 aktiven Kindern ist seine Gruppe relativ groß. Bis neun Jahre alt sind die Kinder der Kinderfeuerwehr, ab zehn können sie zur Jugendwehr gehen, wo dann langsam, Stück für Stück, alle relevanten Themen durchgenommen werden.

„Wir führen die Kinder und Jugendlichen spielerisch an die Gerätschaften heran“, erklärt Bücher, der selbst seit seinem elften Lebensjahr aktiver „Feuerwehrmann“ ist. Dabei ist es stets so, dass die Älteren in einer Gruppe die Jüngeren anleiten. Was ist ein Strahlrohr? Was ein Standrohr? Wie funktionieren Schere und Spreitzer in der Unfallhilfe? Wie kommuniziert man über Funk? Alles, was im Einsatz der Feuerwehr eine Rolle spielt, wird auch bei der Jugendwehr erklärt und geübt.

Jährliche Wettkämpfe

Einmal im Jahr geht es zum Wettkampf. Da treten die Jugendwehren in Gruppen- oder Staffelstärke gegeneinander an und absolvieren eine Löschübung nach genauen Vorgaben für die Abläufe und müssen auch theoretische Prüfungen ablegen. Da sind sportlicher Ehrgeiz und Teamarbeit gefordert, den sich in den letzten Jahren nicht alle Jugendwehren stellen. In den vergangenen Jahren meldeten sich immer wieder nur wenige zum Wettkampf an. „Da müssen wir zwischendurch immer auch mal durchhalten, bis es wieder besser wird mit den Teilnehmerzahlen“, zeigt sich Daniel Minör realistisch.

Auch in den einzelnen Jugendwehren muss teilweise eine ganze Menge Durchhaltevermögen an den Tag gelegt werden, wenn monatelang nur wenige Jugendliche dabei sind. Minör selbst hält es für sinnvoll, gerade in der Jugendarbeit auch über die Ortsgrenzen hinweg mit anderen Feuerwehren zusammenzuarbeiten, um den interessierten Jugendlichen ein abwechslungsreicheres Programm anbieten zu können. „Das war bisher in Hünstetten nicht gewünscht“, musste er feststellen, nachdem er sein Amt in der Gemeinde angetreten hatte. „Wir arbeiten aber weiter daran“, gibt er sich zuversichtlich.

Minör will gemeinsam mit seinen Kollegen in den Ortswehren vor, in den kommenden Monaten immer wieder in die Öffentlichkeit zu treten und über die eigene Arbeit zu berichten. „Viele, die aus der Stadt hierher zu uns aufs Land ziehen, wissen nicht einmal, was eine Freiwillige Feuerwehr ist“, stellt er immer wieder fest.

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